Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Während in Polen und der Ukraine nach der Fußball EM der Alltag wieder einkehrt, laufen die Vorbereitungen für das nächste sportliche Großereignis auf Hochtouren. Vom 27. Juli bis zum 12. August gastieren die Olympischen Sommerspiele 2012 in London. Eine historische Chance für die Stadt an der Themse, aber auch für die zahlreichen Sponsoren und teilnehmenden Nationen, sich der Weltöffentlichkeit im besten Licht zu präsentieren.
Schneller, Höher, Stärker
Als einzige Stadt in der Geschichte der Wettkämpfe konnte sich London nach 1908 und 1948 bereits zum dritten Mal als Austragungsort für die Olympischen Sommerspiele empfehlen. Andere Metropolen wie Paris, New York, Madrid oder Moskau hatten beim Bewerbungsverfahren das Nachsehen. Entsprechend ehrgeizig sind die Pläne der Briten, die 30. Olympischen Sommerspiele in ein Spektakel der Superlative zu verwandeln. Hierfür scheut London keine Kosten: Offiziell stehen über zehn Milliarden Euro Budget zur Verfügung, um die Infrastruktur für die mehr als fünf Millionen erwarteten Besucher fit zu machen und den Zuschauern mit einem riesigen Rahmenprogramm abseits der Wettkämpfe “außergewöhnliche Wochen” zu bieten.
London Calling
Bei all den Investitionen lässt es sich die Stadt natürlich nicht nehmen, das Spektakel bereits weit vor der Eröffnungsfeier medienwirksam in Szene zu setzen. Das traditionelle Überbringen des Olympischen Feuers wird vom griechischen Olympia bis nach London wie gewohnt von Medien begleitet. Seit dem Moment, an dem sich das Feuer jedoch auf britischem Boden befindet, kann seine Reise nahezu rund um die Uhr im Livestream verfolgt werden – Weltpremiere! Die Route der Fackel führt dabei 70 Tage lang rund 12.800 Kilometer quer über die Insel, ehe es Ende Juli bei der Eröffnungszeremonie in London eintrifft. Hier übernimmt Oscarpreisträger Danny Boyle (Trainspotting, Slumdog Millionär, 127 Hours) das Ruder. Der britische Regisseur wird die Eröffnung der Spiele in Szene setzen. Bereits im Vorfeld kündigte Boyle in einer eigens anberaumten Pressekonferenz an, was die rund eine Milliarde Zuschauer vor den Fernsehgeräten und im Stadion erwarten dürfen: Eine ungewöhnliche Mischung aus Shakespeare, Paul McCartney und über 100 lebende Tieren vom Bauernhof. Man darf also gespannt sein, wie dem Regisseur die Inszenierung gelingt.
Nicht weniger spannend wird die Reaktion der Besucher und Bewohner Londons sein, wenn die Stadt wie angekündigt die Haltestellen der Londoner U-Bahn-Linien zeitweise umbenennt. Damit der Olympische Geist bis in die letzten Winkel der Metropole gelangt, halten die Züge im Rahmen der Spiele nicht mehr an der bekannten Victoria Station, in Knightsbridge oder am Piccadilly Circus – für zwei Wochen steigt man bei “Cassius Clay”, “Carl Lewis” oder an der Haltestelle “Michael Phelps” ein und aus. Insgesamt werden alle 361 Haltestellen des Londoner U-Bahn-Netzes mit Namen bekannter Olympioniken versehen.
Sehen und gesehen werden
Doch nicht nur London präsentiert sich der Weltöffentlichkeit von seiner besten Seite. Auch Sponsoren, Teilnehmerländer und zukünftige Austragungsorte wissen gekonnt mit der medialen Aufmerksamkeit umzugehen. Coca-Cola sicherte sich dafür Hit-Produzent Mark Ronson, der den Song „Anywhere in the World” für die laufende Olympia-Kampagne des Getränkeherstellers beisteuerte. Das Besondere daran: Ronson besuchte fünf Athleten und mischte den Song mit Sounds und Geräuschen ihrer individuellen Sportarten ab. Mehr als 1.400.000 Millionen Besucher haben sich alleine die Werbung zu „Anywhere in the World” auf YouTube bereits angesehen. Schon jetzt ist die Kampagne damit ein voller Erfolg.
Unerwartete Reaktionen
Weniger von Erfolg gekrönt war die PR-Aktion des kommenden Olympia-Gastgebers Brasilien. Mit der Idee, die bekannte Jesus-Statue aus Rio de Janeiro als Nachbau im Londoner Stadtteil Primrose Hill aufzustellen, stießen die Südamerikaner auf wenig Gegenliebe bei den Anwohnern. Die Aktion wurde daher bereits in der Planungsphase gestoppt und das Nobelviertel behält dank engagierter Bürger sein bekanntes Gesicht. Weitaus positiver und mit unerwartet hoher Resonanz machte Saudi-Arabien in diesem Jahr von sich reden. Das Königreich war einer der letzten Olympischen Teilnehmer, der ausschließlich männliche Athleten zu den Spielen zuließ. Dieses Jahr erlaubte das saudi-arabische Olympische Komitee nun aber erstmals auch Sportlerinnen an den Qualifikationen für London teilzunehmen. Eine längst überfällige Entscheidung, die weltweit für Aufsehen und positive Reaktionen sorgte.
Ob im Stadion oder in der Stadt, beim Wettkampf oder im Kampf um Aufmerksamkeit – der Zuschauer darf sich auf spannende Spiele und einen bestens vorbereiteten Gastgeber freuen. Wir wünschen viel Spaß und drücken selbstverständlich allen Athleten beim Kampf um Medaillen die Daumen. Lasst die Spiele beginnen…!

