Social Media ist heute in der professionellen Kommunikation der Sportvereine mit Fans nicht mehr hinwegzudenken. Kaum ein Kommunikationskanal bietet sich für einen Vereinsanhänger besser an, um sich über Neuigkeiten und Hintergrund-Stories zu informieren oder sich mit anderen Fans auszutauschen. Auf der anderen Seite können Clubs ihre Fans besser kennenlernen und gezielt Meinungen einholen. Facebook mit seinen weltweit über 900 Millionen Mitgliedern steht hier im Fokus. Die Resonanz auf Fußballclub-Facebook-Seiten ist enorm: Der FC Barcelona kommuniziert täglich mit knapp 30 Millionen Fans. Auch Vereine wie Real Madrid, Manchester United oder AC Mailand gehören nicht nur zu den erfolgreichsten Fußballvereinen der Welt, sondern haben auch auf Facebook riesige Fangemeinden und erzielen damit im Netz eine enorm hohe Reichweite. Aber: Rutscht einem Autor zum Beispiel ein unprofessioneller Kommentar heraus, funktioniert eine Applikation nicht richtig oder werden bei Aktionen Datenschutzbestimmungen nicht eingehalten, ist eine derart große Online-Community anfällig für hohe Kritikwellen. Die Popularität der Vereine sorgt außerdem dafür, dass Fehltritte manchmal derart medial aufgeplustert werden, dass auf einmal der gesamte Fußballclub in der Kritik steht.
So erging es beispielsweise dem FC Bayern München, der mit dreieinhalb Millionen Likes derzeit größter deutscher Verein auf Facebook ist. Auf der Fanseite sollte ein spektakulärer Neuzugang für die Offensive vorgestellt werden. Auf der Website des Vereins wurde hierzu großzügig angekündigt, dass die Fans bei einer Pressekonferenz via Live-Stream erfahren werden, wer der neue Bayern Star wird. Christian Nerlinger, Sportdirektor des Rekordmeisters, hielt bei der Vorstellung ein Foto hoch, auf dem die Neuverpflichtung präsentiert werden sollte. Zu sehen war aber kein neuer Fußballstar, sondern das Facebook-Profilbild des Users. Was ursprünglich als harmloser Gag gemeint war, entpuppte sich rasch als PR-Desaster. Denn die Fans rechneten tatsächlich mit einem hochkarätigen Neuzugang und waren schwer enttäuscht. In den Kommentaren auf der Facebook-Seite der Münchner war oft von “Verarsche” die Rede. Sogar eine Facebook Gruppe namens „Bayern PK – verarschen könnts den NERDlinger“ haben wütende Fans gegründet. Das Fußballmagazin kicker hat sich ebenfalls aufs Glatteis führen lassen und kündigte die Verpflichtung eines neuen Spielers an. Bereits am selben Tag der vermeintlichen Pressekonferenz berichteten alle großen Tageszeitungen, Sportmagazine sowie Fußballblogs vom „Eigentor des Monats“.
Die Verantwortlichen der Facebook Seite reagierten immerhin schnell, standen zu ihrem Fauxpas und entschuldigten sich. Bereits wenige Tage später flachte die Kritikwelle wieder ab. Trotz guter Absichten und einer grundsätzlich charmanten Idee hat der FC Bayern einen entscheidenden Faktor vergessen: Fußballfans verstehen bei der Kommunikation wichtiger Entscheidungen wie Spielertransfers oder Trainerverpflichtungen keinen Spaß. Hoffentlich haben die Münchner aus der Facebook-Misere gelernt und gehen künftig etwas sensibler mit den Nerven ihrer Fans um.

