Real Madrid gegen den FC Bayern München: 27:3.
Zum Glück nur auf Facebook: Was das betrifft, hat der spanische Fußballclub die Bayern um fast 24 Millionen Fans abgehängt. Da es beim Fußball aber nach wie vor auf die Anzahl der Treffer ankommt, darf sich der FCB seit vergangenen Mittwoch auf ein Finale in der heimischen Allianz-Arena freuen. „Fiiinaaleee oooohohohoh!“ – knapp 60.000 Facebook-Fans gefällt das.
Sport und Social Media ist eine perfekte Verbindung. Hitzige Debatten über den Trainerwechsel, Diskussionen über Transfers und die Neugier auf die heißesten Gerüchte finden nicht mehr nur auf dem Platz, in der Kneipe oder beim Kaffee mit Kollegen statt, sondern lange auch schon in Blogs, Foren, auf Facebook und Twitter. Social Media ermöglicht es Fans ihrem Sport an jedem Ort, zu jeder Zeit nahe zu sein. Laut einer Studie von GMR Marketing nutzen in den USA bereits 41 Prozent der Sportfans soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook, um sich auf den neuesten Stand über ihre Mannschaft zu bringen. Das sind 10mal mehr, als sich über Radio informieren. Während man vor ein paar Jahren noch entweder im Stadion oder vor dem TV-bzw. Radiogerät sitzen musste, um ein Fußballspiel mitverfolgen zu können, kann sich der Smartphone-Besitzer heute in Echtzeit und von überall über den aktuellen Spielstand informieren. „Überall“ kennt dabei nahezu keine Grenzen: Laut der GMR Studie rufen 58% der befragten Fans die neuesten Sportnews regelmäßig im Badezimmer ab, 86% im Büro, 33% in Meetings und 74% auf einer Party. 83% Prozent verfolgen die Berichterstattung und Kommentierung eines Spiels über Twitter und Facebook , während sie eben jenes Spiel im Fernsehen schauen.
Vom Fan zum Kommentator
Letzteres zeigt: Social Media ist nicht nur eine Verbindung zwischen Fan und Verein, sondern gleichzeitig auch eine großartige Plattform, um Sportereignisse gemeinsam mit anderen Fans zu erleben. Und selbst zum Kommentator des Spiels zu werden. Ein Blick auf das letzte Großereignis Real Madrid gegen FC Bayern München:
Mit weltweit 13.684 Tweets pro Sekunde erlebte die Plattform Twitter während des Champions League Matches einen neuen Höhepunkt. Das Fußballspiel schlug weltweit betrachtet sogar den Super Bowl, in dessen Zeitraum „nur“ 12.233 Tweets pro Sekunde herausgezwitschert wurden.
Auf der Facebook Seite des FC Bayern München boten die Community Manager des FCB Live-Berichterstattung – unterstützt von den Fans. „TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOR! Robben (27 Min. nach Elfmeter). Real Madrid 2 – 1 FC Bayern München. WAS EIN SPIEL!“ 6.031 Fans sind gleicher Meinung, 516 „Co-Moderatoren“ feuern an („yessssssssssssssssssssss“) und kommentieren („Jetzt sammelt euch mal schoen und dann bitte bitte weniger komplizieren … Go, Bayern, go, noch ein Tor! Oder deren zwei, drei…“). Die Halbzeit wird genutzt für hitzige Diskussionen und gegenseitiges Ermutigen (2.618 Kommentare), 60.000 Fans drücken die Daumen per „Like“ Button. Nach dem 2:0 beim Elfmeterschießen durch Gomez ist sich der FCB- und Facebook-Fan sicher: „Die Champions kommen aus München!“. Und als schließlich Schweinsteiger trifft und der Jubel FINALE DAHOAM die Facebook Seite des FCB beherrscht, ist kein halten mehr: fast 160.000 Likes stimmen in den Jubel ein und die knapp 9.000 Kommentare auf den ersten Post nach Abpfiff überschlagen sich: „Wahnsinn!Habe fast meine ganze Bude zusammengeschrien vor lauter Freude. FCB wir leben und lieben Euch!!“ Nicht nur auf dem Platz, auch im Netz. Das gilt übrigens auch für die Spieler selbst: „Glücklich…und zufrieden…“, postete Manuel Neuer eine halbe Stunde nach Mitternacht via Handy auf seinem Facebook-Profil. Die Fans, die dafür „Gefällt mir“ gedrückt haben, würden die Allianz-Arena in München zur Hälfte füllen.
Soziale Netzwerke lassen Fans und Vereine zusammenwachsen. Eine Fußballmannschaft kann sich höchstens zweimal in der Woche vor ein paar Zehntausend Fans präsentieren. Im Internet steht sie jederzeit zur Verfügung, die Fans sind nur einen Klick entfernt, egal, wo auf der Welt sie sich gerade befinden. Dieses Potential sollten Vereine nutzen, indem sie ihren Fans im Netz eine Mischung aus Infos und exklusiven Einblicken bieten und gleichzeitig Anlass und Raum für Interaktion und Austausch schaffen. Ein durchdachtes Engagement im Netz zahlt sich dabei auch finanziell aus: Je mehr Besucher auf der Homepage, umso teurer lässt sich Werbung, und umso besser Fanartikel verkaufen. Eine gut besuchte Facebook-Seite kann gerade bei kleineren Vereinen ein schlagendes Argument für potentielle Sponsoren sein. Während früher ausschließlich die Fans zum Verein kamen, können die Vereine heute dank sozialer Netzwerke dorthin gehen, wo die Fans sind – eine Steilvorlage, die mit der richtigen Strategie in einen Treffer verwandelt werden kann.


