Stand Up Paddling

Stand Up Paddling
 

Stand Up Paddling – kurz SUP – ist der derzeit weltweit am schnellsten wachsende Wassersport. Es ist dem Wellenreiten ähnlich, nur dass man auf dem Surfbrett steht und nicht mit den Händen, sondern einem Stechpaddel paddelt. Auch in Deutschland steigt die Zahl der SUP-Anhänger. Stand Up Paddling ist nicht nur Pausenfüller für Wellenreiter und Windsurfer, wenn am Spot gerade keine optimalen Bedingungen vorherrschen. Besonders Großstadtsurfer, die keine direkte Anbindung zu Wellen, Wind und Wasser haben, kommen auf Seen oder Flüssen auf ihre Kosten. Für die krisengebeutelte Windsurfindustrie kommt eine neue Brettsportart wie gerufen. Was steckt hinter diesem Trend und was braucht es, um aus diesem Boom für die eigene Marke Kapital zu schlagen?

SUP? Stand Up Paddle Surfing?  Stand Up Paddling? Dem Kind einen Namen zu geben ist zum Glück das einzig Komplizierte an dieser Sportart. Stand Up Paddling – kurz SUP – bedeutet, sich stehend auf dem Wasser auf einem großvolumigen Surfbrett mit einem Paddel fortzubewegen. Eigentlich ist Stand Up Paddling ziemlich retro und beinahe so alt wie das Wellenreiten selbst. Schon die Polynesier, mit dem Ozean von alters her auf Du und Du, sind auf Brettern nicht nur Wellen geritten, sondern haben darauf stehend gefischt oder einfach ihre Verwandten auf der nächsten Insel besucht. Seit ihrer Wiederentdeckung auf Hawaii breitet sich diese Wassersportart auch langsam in Europa aus, bisher vor allem in Frankreich, Großbritannien und Spanien. Aber auch in Deutschland steigt die Zahl der SUP-Anhänger.

Die Vorteile dieser Sportart liegen auf der Hand: Stand Up Paddling ist nicht nur Pausenfüller für Wellenreiter und Windsurfer, wenn am Spot gerade keine optimalen Bedingungen herrschen. Besonders Großstadtsurfer, die keine direkte Anbindung zu Wellen, Wind und Wasser haben, kommen auf Seen oder Flüssen auf ihre Kosten. SUP ist darüber hinaus ein hervorragendes Workout, das den ganzen Körper trainiert. Es bietet ein ganzheitliches und gelenkschonendes Ausdauertraining, das Oberkörpermuskulatur, Bauch und Rücken gleichermaßen stärkt. Es gibt wenige Sportarten, die mentale Balance und physische Fitness so spielerisch und entspannt vereinen. Die obligatorische Prise authentischen Surf Lifestyle gibt es obendrein gratis dazu.

Vereinfacht gesagt entwickelt sich die Sportart in vier Richtungen – Wellensurfen, Flachwasser, Langstrecke und Racing – wobei die eine die andere nicht ausschließen muss, denn es gibt Allroundboards, die nahezu das komplette Einsatzspektrum zufriedenstellend abdecken. Natürlich hat Stand Up Paddling auf Flüssen oder Seen nichts mit der ursprünglichen Art des Surfens zu tun, aber man muss als Surfer sein Leben nicht mehr nur nach Wind und Wetter aurichten. Zudem führen einige Hersteller Boards im Portfolio, die auch die Option zum Windsurfen bei Leichtwind bieten. Das alte Gefühl, immer und überall mit seinem Surfbrett aufs Wasser gehen zu können, feiert mit SUP quasi sein Revival.

Auch für diejenigen geeignet, die es ein bisschen extremer wollen, Quelle: Lagoon Watersports

Auch für diejenigen geeignet, die es ein bisschen extremer wollen, Quelle: Lagoon Watersports

Nicht von ungefähr setzt in Europa gerade die Windsurfbranche hohe Erwartungen in diese Sportart. Windsurfen war in den 80er Jahren die weltweit am schnellsten wachsende Sportart überhaupt. Mittlerweile hat sich die Branche selbst überholt und auf höher, schneller, weiter folgte die Ernüchterung: Zwar war die Qualität der Ausrüstung noch nie so gut wie heute, anderseits aber auch noch nie so teuer. Zu technisch, zu kompliziert – die Einfachheit früherer Tage ist auf der Strecke geblieben, so dass beinahe zwangsläufig viele dem Sport den Rücken kehrten. Der potentielle Nachwuchs sieht sich außerdem sehr zum Leidwesen der Industrie nach anderweitigen Betätigungen um.

 Das Paradoxe an der Situation ist die Tatsache, dass der Zulauf auf die Windsurfschulen immer noch ungebrochen ist, sich der Absatz von Windsurfboards in den vergangenen Jahren von seiner Stagnation jedoch nur äußerst schleppend erholt. Vor diesem Hintergrund kommt eine neue Brettsportart natürlich wie gerufen. Fast alle der etablierten Marken haben ihr Produktportfolio um SUP-Boards erweitert und stellen das Gros der Hersteller in diesem Segment. Die Absatzzahlen in den USA, wo schätzungsweise 50.000 Boards pro Jahr verkauft werden (rund 50 Prozent davon an Frauen), lassen Produzenten optimistisch in die Zukunft  blicken und von den glorreichen alten Zeiten träumen. Die Marktführer in Sachen Stand Up Paddling verkaufen inzwischen mehr SUP- als Windsurf-Bretter. Brancheninsider gehen von mindestens 100 Prozent Wachstum in den nächsten Jahren aus.

Neben den Windsurfmarken wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Kajakindustrie in Zukunft noch stärker am SUP-Business beteiligen. Einige Hersteller sind bereits mit speziellen Fluss- beziehungsweise robusten Wildwasser-Boards am Start. Verständlich, denn Kajaks sind ja ohnehin schon auf den Flüssen zu Hause, da ist es nur ein kleiner Schritt von der sitzenden zur aufrechten Paddelposition. Auch für die „klassische“ Outdoorbranche eröffnet sich ein neuer Markt, der durchaus Potential hat. Denn gerade die Touren-, Fluss- und Rennpaddler haben Bedarf an Zubehör und Ausrüstung, wie beispielsweise Funktionskleidung, Rucksäcke mit Trinksystem oder Sonnenschutz-Equipment –auf diesen Zug mit aufzuspringen ist nicht sehr schwer, man muss sich (vereinfacht gesagt) „nur“ der potentiellen neuen Zielgruppe bewusst werden.

Stand Up Paddling in Venedig, Quelle: Paddle-Board.net

Stand Up Paddling in Venedig, Quelle: Paddle-Board.net

Das Know How, die Erfahrung und die Produktionsanlagen sind vorhanden – ohne Zweifel haben die Vertreter der Windsurfindustrie die größten Chancen, vom Stand Up Paddling Boom zu profitieren. Sie stehen allerdings auch vor der größten Herausforderung: Denn bisher agiert und kommuniziert man in einem mehr oder weniger geschlossenen Kreis. Natürlich ist es wichtig, die eigene Kernzielgruppe der Surfer und Windsurfer als potentielle Ein- und Umsteiger zu erreichen, um diese zum Paddeln zu bringen.  Aber damit ist es heutzutage nicht getan, denn die jeweiligen Marken werden in Deutschland außerhalb ihrer klassischen Umfelder bislang noch nicht als solche wahrgenommen. Es fehlt die nötige Trennschärfe. Natürlich liegt dies auch daran, dass SUP quasi eine junge Sportart ist, die sich noch im Entstehungsprozess befindet. Trends kommen und gehen, relevante Sportarten bleiben – um so wichtiger ist es daher, schon früh die ausgetretenen Pfade zu verlassen und den bisherigen Wirkungskreis zu erweitern, um neue Zielgruppen für den Sport und damit für die eigene Marke zu erschließen.

Raus aus der Nische, rein ins richtige Leben: Es gilt, die Einfachheit und die Faszination dieser jungen Sportart auch außerhalb des Windsurfkosmos spür- und erlebbar zu machen. Wer sind meine Stakeholder? Wen kann ich wie als Influencer einsetzen? Investiere ich in Social Media? Die Kommunikationskanäle und Möglichkeiten sind so vielfältig wie die Sportart selbst. SUP-Events und Testveranstaltungen machen selbstverständlich Sinn, denn only trying is believing. Aber sie sollten Teil eines zielgerichteten Maßnahmenpakets sein, eingebettet in eine nachhaltige Kommunikationsstrategie. Nur so lässt sich die Awareness für diese Sportart – und damit auch die Relevanz der jeweiligen Marke – langfristig und vor allem glaubwürdig über die Grenzen der bisherigen Kernzielgruppe hinweg steigern.

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