Pausentee: …. ist der etwas andere Sport-Talk. Hier geht es weniger um die allseits bekannten Fußball-Diven, millionenschweren Sportstars, gefeierten Olympioniken oder extentrischen Erfolgstrainer, die ohnehin permanent im Blickpunkt des öffentlichen Interesses stehen. In einem informativen Plausch werden hier (künftig regelmäßig) außergewöhnliche Persönlichkeiten aus der großen, weiten Welt des Sports vorgestellt – Exoten, Charakterköpfe, Macher und stille Helden sollen an dieser Stelle zu Wort kommen: Hier verraten Insider, was den Sport jenseits der Medienscheinwerfer ausmacht und bewegt.
Den Anfang macht Johannes Graf Strachwitz. Der 37-jährige Stuttgarter hat als Musikmanager nicht nur die deutsche HipHop-Szene nachhaltig geprägt, sondern mit Künstlern, wie z.B. Massive Töne hunderttausende Tonträger verkauft. Im Büro hängen außerdem Goldene Schallplatten der Stuttgarter Band Freundeskreis etc. Inzwischen hat er erfolgreich das Business erweitert und besitzt gemeinsam mit seinem Mitgesellschafter Oliver Fischer einer Spielerberateragentur, die unter anderem den Mainzer Stürmer Adam Szalai betreut. Mit seiner erfrischenden Art entspricht er auf angenehme Weise so gar nicht dem gängigen Klischee des aalglatten und geldgieren Beraters.
Sports Insights: Herr von Strachwitz, mal ganz ehrlich: Wer ist die größere Diva – der Musiker oder der Sportler?
Der Musiker – auf jeden Fall! Musiker scheinen nochmal ein deutlich größeres Ego zu haben. Bei Sportlern ist das zum Glück im Normalfall weniger ausgeprägt, da sie von Anfang an eher gewohnt sind, sich in eine Gruppe zu integrieren oder sich von einer mehr oder weniger übergeordneten Instanz, wie beispielsweise dem Trainer etwas sagen zu lassen. Musiker hingegen sind in dem, was sie machen viel freier und expressiver, unterwerfen sich weniger den gängigen gesellschaftlichen Regeln und leben den typischen Rock’n’Roll Lifestyle – oder eben das, was sie dafür halten. Künstler sind vielschichtige Individualisten, die für sich ihr Ding durchziehen und sich damit selbst verwirklichen wollen. Nehmen wir nur mal das Thema Foto: Sportler stehen Schnappschüssen, auf denen sie auch mal durchaus unvorteilhaft aussehen können, wesentlich lockerer und entspannter gegenüber. Natürlich ist das auch abhängig von der jeweiligen Persönlichkeit. Auf der anderen Seite hätten mir einige der Künstler, die ich früher betreut habe, auf jeden Fall die Ohren voll geheult, dass man so ein Foto doch unmöglich abdrucken kann und ich solle doch bitteschön alle Hebel in Bewegung setzen, um dieses Bild zu verhindern.
Sports Insights: Sie betreuen Sportler wie Adam Szalai. Was genau fällt da in Ihren Aufgabenbereich?
In unserer Agentur kümmern wir uns klassisch um die Betreuung der Spieler bei Vereinswechseln, aber genauso auch die Betreuung in Verletzungsfällen oder der jeweiligen Regenerationsphase. Meistens haben wir dadurch auch zu allen unseren Spielern ein sehr enges und vertrautes Verhältnis. Darüber hinaus schließt das auch die Vermarktung von Spielern ein, für die das in Frage kommen kann. Also das Vermitteln und Aushandeln von Werbe,-und Sponsoringveträgen durch Testimonialeinsätze. Durch die Kommerzialisierung des Sports steigen zwar die Möglichkeiten, einen Sportler zu vermarkten, doch sind sportliche Leistungen zunehmend austauschbar und durch Verdrängungswettbewerbe gekennzeichnet. Daher gilt es, unter Gleichen Besonderheiten herauszustellen.
Sports Insights: Warum sind Sie vom Musikbiz zum Sport gewechselt? Lust auf etwas ganz Neues, oder ist der Unterschied gar nicht so groß?
Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen war es ein komplett neuer Geschäftsbereich, den ich ehrlich gesagt total spannend fand. Denn im Musikbusiness war ich damals schon 13 Jahre am Start und irgendwann kennst Du dann mal nahezu alles und fast jeden. Das Sportbiz hingegen ist für mich total frisch und – genauso wie die Musikindustrie – ein echtes Peoples Business, das mir einfach liegt. Das ganze Socialisen macht einfach Spaß. Zum anderen ist es, offen gesagt, natürlich auch finanziell ein sehr interessantes Betätigungsfeld – vorausgesetzt natürlich man ist entsprechend erfolgreich. Hinzukommt, dass das Musikgeschäft immer schwieriger geworden ist. In den letzten Jahren gingen die Umsätze aus CD-Verkäufen kontinuierlich zurück, während die digitale Musikdistribution immer stärker wurde. Allerdings fangen Online-Verkäufe als neues Medium die Verluste der CD leider immer noch nicht auf. Das ist vollkommen logisch, wenn ein Medium durch ein neues ersetzt wird. Von daher ist mir die Entscheidung, Neuland zu betreten, nicht sonderlich schwer gefallen. Ich bin jedoch nach wie vor noch im Musikbusiness verankert, ohne dabei allerdings wie früher auch eine eigene Plattenfirma zu haben. Aber vom Festival bis zu regelmäßigen Club Events machen wir immer noch alles – und nach all den Jahren auch immer noch mit sehr viel Spaß, denn so ganz lossagen kann ich mich dann doch nicht.
Sports Insights: Verträge aushandeln, die Presse handeln und das Vermögen verwalten – das trifft auf einen Musikmanager doch genauso zu, wie auf einen Spielerberater. Was unterscheidet Ihren neuen Job vom alten?
Es fällt stark auf, dass es nicht ganz so zeitintensiv ist wie der Musikbereich. In der Zeit, in der man einen Musikact betreut, kann man salopp gesagt fünf Sportler beraten. Sportler sind wesentlich selbstständiger und schon früh in feste Strukturen und Abläufe, wie Vereine eingebunden, in denen alles wesentlich organisierter abläuft. Das heißt natürlich nicht, dass man dadurch weniger zu tun hat: Spielerberatung bedeutet ebenfalls viel Arbeit. Aber es ist einfach ein anderes Business. Die Tools beider Branchen sind zwar ähnlich, die Mechanismen aber grundverschieden. Beim Musikact bist Du beispielsweise auch im Studio in die Produktionsabläufe involviert oder unter Umständen sogar mit auf Tour, usw. Alles also recht zeitintensiv. Etwas Vergleichbares gibt es im Sportbereich in dieser Form nicht, hier muss ich meine Klienten nicht bei der tatsächlichen Ausübung ihres „Jobs“ unterstützen, sondern schaffe die entsprechenden Rahmenbedingungen dafür.
Sports Insights: Nennen Sie mal drei Eigenschaften, die den Fußballprofi von heute charakterisieren.
Fußballprofis sind sehr zielorientiert – zumindest die, die es ernst nehmen. Da gibt es natürlich aber auch solche und solche. Darüber hinaus sind sie in der Regel äußerst willensstark und entsprechend diszipliniert, wie der Großteil der professionellen Leistungssportler.
Sports Insights: Früher waren Fußballer wie Rockstars – heute wirken die meisten Jungs grundsolide: Sie essen gesund, schlagen selten über die Stränge und geben druckfähige Interviews. Ist das nicht ein bisschen langweilig?
So richtige Charaktere wie beispielsweise einen Diego Maradonna gibt es leider immer weniger. Es stimmt daher schon, dass der Spielerbereich immer professioneller und uniformer wird. Aber trotzdem darf man nicht vergessen, dass da mittlerweile bedingt durch Fernsehgelder und das öffentliche Interesse Unsummen mit im Spiel sind. Entsprechend groß sind demnach die Beträge, die dann an die Spieler verteilt werden. Gerade wenn Spieler so viel Geld verdienen, haben die Vereine verständlicherweise die berechtigte Erwartungshaltung, dass ihre Spieler gefälligst eine konzentrierte Leistung abliefern und sich nicht jeden Abend die Birne zuschütten oder gar in Schlägereien verwickelt sind. Das macht das Business zwangsläufig etwas unspektakulärer und braver. Meiner Meinung nach verdienen die aber so viel Geld, da müssen die Spieler dann eben einfach auch entsprechend Leistung bringen.
Sports Insights: Welcher aktuelle Fußballprofi hat Ihrer Meinung nach am meisten Charisma und Ausstrahlung?
In der Bundesliga auf jeden Fall Mario Gomez. Für mich ist er einfach ein Vorzeigesportler: Eine Erscheinung auf dem Platz, die viel hergibt, gut aussieht und sich damit auch hervorragend vermarkten lässt. Gomez ist ein richtiger „Modell-Athlet“ und bringt seine Leistung, wenn man ihn spielen lässt – wie er aktuell seit Wochen hervorragend unter Beweis stellt. Es gibt bestimmt Spieler, die einen schöneren Fußball spielen – keine Frage. Aber er produziert Ergebnisse und darum gehts meiner Meinung nach ja auch als Profifußballer. Zwar noch nicht so in der Nationalmannschaft wie im Verein, aber wenn man ihm das nötige Vertrauen entgegenbringt, wird das auch noch.
Sports Insights: Wieviel Glamour hat der deutsche Fußball?
Der deutsche Fußball hat auf jeden Fall Glamour, aber die ganz schillernden Persönlichkeiten und Paradiesvögel des Weltfußballs spielen eben doch eher in Spanien oder in England. Von daher, ja, der deutsche Fußball hat Glamour, aber eben mehr auf nationaler Ebene und nicht so extrem und auch nicht so peinlich, wie teilweise in den anderen Ländern. Ich denke dadurch ist der deutsche Fußball und speziell die Bundesliga über die Jahre hinweg ehrlich und authentisch geblieben. Das macht meiner Meinung nach auch ihren Reiz aus. Und über einen Ferrari wie damals in den 70ern bei Günther Netzer würde sich jedenfalls heutzutage auch niemand mehr wundern oder aufregen.
Sports Insights: Herr Strachwitz, vielen Dank für das interessante Gespräch!

