Energiepolitik: Ideologisch versus beliebig?

Energiepolitik: Ideologisch versus beliebig?

Im Rahmen einer Tagung des Business-Netzwerks AGRION referierten und diskutierten am 08.12.2010 in Frankfurt zahlreiche engagierte Teilnehmer/innen zum Thema “Erneuerbare Energien – Ende der Boomjahre?” Ich war als Referentin eingeladen und hatte die Aufgabe, den Stellenwert der Erneuerbaren Energien im Energiekonzept kritisch zu analysieren. Und da niemand, der über Erneuerbare Energien in Bezug auf das Energiekonzept nachdenkt, an dem Thema “Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke” vorbeikommt – gleichgültig ab man die Nutzung der Atomkraft ablehnt, befürwortet oder als “Brückentechnologie” versteht – bin auch ich auf diesen Aspekt des Energiekonzepts eingegangen.

Wer meine politische Herkunft berücksichtigt, wird sich nicht wundern, dass ich die Entscheidung zur Verlängerung der Laufzeiten als energiepolitischen Fehler betrachte – weil sie aus meiner Sicht die Entwicklung der Erneuerbaren Energien behindert. An dieser Stelle möchte ich erst einmal nicht auf meine Argumente eingehen (die erläutere ich gern, wenn Bedarf besteht). Vielmehr möchte ich in diesem Beitrag ein Stichwort aufgreifen, dass im Zusammenhang mit der energiepolitischen Debatte immer wieder fällt (so auch auf dieser Tagung) und genutzt wird, um in der Kommunikation mit Atomkraft-Gegnern zum KO-Schlag auszuholen. Das Stichwort heißt „ideologisch“.

Wer also findet, dass die Nutzung der Kernkraft aus verschiedenen Gründen beendet werden müsste, handelt ideologisch. Punkt. Punkt? Was bedeutet “Ideologie” denn eigentlich? Das etymologische Lexikon sagt dazu: Ideologie ist die “Gesamtheit der Ideen, auf die sich eine Weltanschauung oder ein Parteiprogramm gründet”. Aha. Und wie handelt dann jemand (insbesondere aus dem politischen Spektrum), der Ideologie für sich als Handlungsrahmen ablehnt? Beliebig?

Ideologisch versus beliebig – so werden Diskussionen abgewürgt. Unsere künftige Energieversorgung aber ist eines unserer wichtigsten Themen derzeit. Diskussionen – auch kontroverse – sind ausdrücklich erwünscht.

AGRION hat mit der Tagung ein hervorragendes Forum für eine solche Diskussion geboten.

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