Fundbüro Männergesundheit – und warum Gesundheit die Erotik überholt

Fundbüro Männergesundheit – und warum Gesundheit die Erotik überholt

Seitdem ich aus der Toskana zurück bin (das ist jetz gut vier Wochen her), werde ich diese verdammte Erkältung nicht los. Aber Männer gehen ja nicht zum Arzt – oder? Ich war ganz gespannt, was Dr. Google zu diesem Fakt sagt – aber jetzt bin ich entsetzt, dass einige Klischees noch breiter getreten werden können als sie schon sind: Laut kürzlich veröffentlichter Umfrage von TNS Infratest im Auftrag von mobile.de, kennen Männer ihre Autos besser als ihren Körper: 91 Prozent der Befragten wussten, wieviel ihre Karre verbraucht, 87 Prozent die PS-Zahl – aber nur 58 Prozent kannten ihre Blutgruppe und nur 43 Prozent ihren Cholesterinwert (ganz ehrlich? Das wäre ja fast jeder Zweite!).

Irgendwie passend finde ich dann die Headline, der Ärzte Zeitung vom 7. November (Deutschlands einzige Tageszeitung für den Arzt – Angebot zum großen Teil auch für Nicht-Fachkreise öffentlich zugänglich): „Gesundheit hat Erotik im Internet eindeutig überholt – Fachleute sind sich einig: Das Web 2.0 verändert das Verhältnis Arzt-Patient. Die Anbieter müssen umdenken“ – Stimmt: Ein großer Teil der Deutschen sucht nicht nur im Web nach Informationen, sondern beteiligt sich mehr oder weniger aktiv an sozialen Netzwerken. Facebook hatte Ende Oktober schon über 12,5 Millionen deutsche Nutzer – das entspricht einem Wachstum von über 14% im Vergleich zum Vormonat und über 117% im Vergleich zum Vorjahr! Xing meldete im September über vier Millionen angemeldete Nutzer in Deutschland, der international führende Wettbewerber LinkedIn bringt es in Deutschland schon auf ca. 1 Million angemeldete Mitglieder. Laut der VZ-Gruppe (schülerVZ, studiVZ, meinVZ) sind dort sogar 17 Millionen User eingetragen (Stand Juli 2010).

Und der „Gesundheitsmarkt verlagert sich immer mehr vom Anbieter auf den Nachfrager“ (Zitat Ärzte Zeitung): 30% aller Patienten holten sich vor einem Arztbesuch Informationen aus dem Web und 40% würden nach dem Arztbesuch ärztliche Verordnungen oder Informationen hinterfragen. Ich schätze, dass diese Zahlen (deren Herkunft nicht benannt wird) noch stark untertrieben sind. Bei unserem Edelman Health Engagement Barometer kamen wir schon 2008 zu einem viel extremeren Bild, das wir „The New Second Opinion“ nannten (Slide 47, das Health Engagement Barometer 2010 finden Sie hier): Laut diesen Ergebnissen (internationale Durchschnittswerte – in Deutschland keine nennenswerte Abweichung) ließen sich 88% aller Arztbesucher die im Internet gefundene Informationen vom Arzt bestätigen. Die gleiche Anzahl ließ es sich anschließend nicht nehmen, die beim Arzt gewonnenen Infos wiederum im Internet einzuordnen bzw. zu validieren.

Spannend – Bedeutet aber auf keinen Fall, dass der Arzt seine zentrale Rolle im Informationsprozess verliert, den das Vertrauen in seine Kompetenz ist nach wie vor hoch. Die wirklich interessante Frage lautet dann allerdings nicht mehr: „Informieren sich Patienten im Internet?“ Sondern „Wie ist eine Orientierung bei Gesundheitsinformationen im Internet möglich?“. Dazu bald mehr…

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