Die EU-Kommission macht sich Sorgen. Im Jahr 2020 soll die Energieproduktion aller EU-Mitgliedsstaaten insgesamt zu mindestens 20 % aus erneuerbaren Quellen stammen. Dieses Ziel könnte jedoch verfehlt werden – und zwar wegen zunehmender Akzeptanzprobleme vor Ort: Wo eine Windkraftanlage oder ein Solarpark vor der eigenen Haustür „droht“, wächst oft auch der Widerstand dagegen – trotz ungebrochener Beliebtheit der Erneuerbaren Energien in allen Meinungsumfragen. Dieser Effekt ist auch als „Nimby(„not in my backyard“)-Effekt“ bekannt.
Die EU-Kommission hat deshalb eine Studie in Auftrag gegeben, die diesen Effekt näher untersuchen und vor allem Gegenmaßnahmen entwickeln soll. Erste vorläufige Ergebnisse werden bereits diskutiert – demnach setzt die Kommission wohl vor allem auf finanzielle Ausgleichsmaßnahmen für die betroffenen Gemeinden oder Individuen bzw. auf mehr Möglichkeiten für Bürger/innen, an der Rendite teilzuhaben (z.B. über so genannte Bürgersolarparks).
Nick Pidgeon, Professor für Umweltpsychologie an der Cardiff Universität, warnt jedoch davor, einseitig auf den monetären Aspekt zu setzen. Häufig seien es nämlich ganz andere als die finanziellen Gründe, die zu einer Ablehnung führten – z.B. der Vorwurf, nicht rechtzeitig beteiligt worden zu sein, die Sorge um das Landschaftsbild oder die Angst vor Geräuschbelästigung.
Ich beobachte bereits seit Monaten, dass vor allem Solarparks in Deutschland immer häufiger auf erbitterten Widerstand stoßen. Was ich nicht beobachten kann, ist, dass sich Investoren und politische Entscheidungsträger darauf bereits angemessen eingestellt hätten. Allzuoft stehen alle Beteiligten vor einem Scherbenhaufen, wenn „das Volk“ gesprochen und das umweltfreundliche Kraftwerk per Bürgerentscheid verhindert hat. Es genügt also nicht, zu den „Guten“ zu gehören – zur Kraftwerksplanung gehört von Beginn an auch die Kommunikationsplanung dazu.

Hier sind auf jeden Fall die richtigen Probleme für die zukünftigen Großprojekte im Bereich der erneuerbaren Energien genannt. Dass diese auch nicht vor infrastrukturellen Großprojekten wie Stuttgart 21 haltmachen, ist wohl niemandem entgagangen. Finanzielle Anreize sind sicherlich nicht der beste Weg den Widerstand der Bevölkerung zu brechen, sondern höchstens der Letzte. Es ist richtig, die Bevölkerung frühzeitig und umfassenden am Gestaltungsprozess zu partizipieren. Das schafft Akzeptanz und mindert letzten Endes die Kosten. Der Vorwurf der “Arroganz der Macht” ist heute nicht umsonst immer öfter zu hören.
Mit “und mindert letzten Endes die Kosten” haben Sie einen wichtigen Aspekt angesprochen, der allzu oft von der falschen Seite betrachtet wird. Häufig werden ja leider die Kosten für ein Beteiligungsverfahren gescheut – ohne dabei zu berücksichtigen, dass es in der Regel deutlich teurer wird, wenn das Projekt am Widerstand scheitert. Mal ganz abgesehen von dem politischen “Flurschaden”, der das notwendige Vertrauensverhältnis auch für spätere (ganz andere) Vorhaben meist empfindlich stört.